<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"><channel><title>Simeon Zickert</title><description>Persönliche Texte von Simeon Zickert über Klarheit, Positionierung und das Lesen von Strukturen.</description><link>https://simeonzickert.de/</link><language>de-DE</language><item><title>Maschinenlesbar heißt menschenlesbar</title><link>https://simeonzickert.de/blog/maschinenlesbar-heisst-menschenlesbar/</link><guid isPermaLink="true">https://simeonzickert.de/blog/maschinenlesbar-heisst-menschenlesbar/</guid><description>Maschinenlesbar heißt menschenlesbar: dieselbe Struktur, die ein Sprachmodell braucht, braucht heute auch der Mensch, der nur noch scannt.</description><pubDate>Wed, 27 May 2026 00:00:00 GMT</pubDate><content:encoded>&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Kurz:&lt;/strong&gt; Webseiten müssen für die Maschinen lesbar werden, die heute zwischen dir und deinem Leser stehen. Das Überraschende daran: dieselbe Aufräumarbeit macht sie auch für den Menschen lesbar, der sich keine Zeit mehr nimmt und nur noch scannt.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Neulich fragte mich eine Kundin: „Herr Zickert, wie sieht denn die Zukunft der Webseiten aus?” Und ich musste zugeben, dass ich darauf keine abschließende Antwort habe. Aber eine Richtung kann ich geben, und die wird mir gerade immer klarer: Wir müssen unsere Inhalte stärker strukturieren, nicht mehr nur für Menschen, sondern für die Maschinen, die sich da draußen umtreiben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Denn zwischen deinem Text und deinem Leser steht immer öfter etwas. Perplexity. Die Google AI Overview. Ein Agent, der für jemanden recherchiert, der selbst nie auf deiner Seite landet, sondern nur die Antwort serviert bekommt, die aus deiner Seite stammt. Wenn diese Schicht deine Inhalte nicht sauber lesen kann, &lt;em&gt;existierst du für sie nicht&lt;/em&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&quot;zwei-werkzeuge-die-ich-gerade-spannend-finde&quot;&gt;Zwei Werkzeuge, die ich gerade spannend finde&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die llms.txt.&lt;/strong&gt; Eine simple Markdown-Datei, die du ganz oben auf deine Domain legst, vorgeschlagen von Jeremy Howard schon im September 2024. Sie ist im Grunde eine Speisekarte für Sprachmodelle: hier liegt meine wichtigste, verlässlichste Information, schau da rein, nicht in den ganzen HTML-Wust mit Navigation, Cookie-Banner und JavaScript.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Problem, das sie löst, ist banal und groß zugleich: ein LLM bekommt eine ganze Webseite gar nicht in sein Context-Window. Also gibst du ihm zwei Dateien:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;
&lt;li&gt;&lt;code&gt;/llms.txt&lt;/code&gt; — die aufgeräumte Kurzfassung, die Speisekarte.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;&lt;code&gt;/llms-full.txt&lt;/code&gt; — den ganzen Inhalt am Stück, wenn das Modell mehr will.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;Anthropic, Cloudflare, Vercel machen das längst. Es ist kein Geheimtipp mehr, es ist dabei, ein Standard zu werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Grounding Pages&lt;/strong&gt;, an denen wir gerade selbst gearbeitet haben. Die Idee dahinter ist, &lt;em&gt;maschinenaufbereitet Wahrheit zu erzählen&lt;/em&gt;: feste, definierte Begriffe aufzubauen, Entitäten, an denen sich ein Modell festhalten kann. Wer bist du, was machst du genau, wie heißt die Sache, die du anbietest, und zwar so eindeutig, dass kein Modell sie mit etwas anderem verwechselt. Das klingt trocken, aber es ist die Arbeit, die darüber entscheidet, ob ein Agent dich richtig zitiert oder dich mit dem Anbieter zwei Straßen weiter zusammenwirft.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&quot;webseiten-pflegt-künftig-dein-agent&quot;&gt;Webseiten pflegt künftig dein Agent&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Und dann gibt es eine zweite Bewegung, die mit dem Strukturieren zusammenhängt: wie wir Webseiten überhaupt noch pflegen. Da bin ich mir sehr, sehr sicher — das klassische Content-Management-System, in dem du dich durch Felder und Reiter klickst, wird keinen Bestand haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was kommt, ist der Agent. Du sagst „bau mir eine neue Landingpage in dem und dem Stil zu dem Thema, hier sind die Inhalte”, und er baut. Oder du erarbeitest den Inhalt mit ihm im Sparring, hin und her, bis es sitzt. Und wenn du wissen willst, ob es etwas bringt, sagst du „werte mir die Metriken meiner Webseite aus” — und Google Analytics, Search Console, was auch immer angebaut ist, antwortet dir im Klartext, statt dass du dich durch Dashboards quälst.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&quot;der-mensch-scannt-wie-die-maschine&quot;&gt;Der Mensch scannt wie die Maschine&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;So weit die Maschinen. Jetzt kommt der Teil, der mich eigentlich überrascht hat: wenn du deine Seite maschinenlesbar machst, machst du sie fast zwangsläufig auch menschenlesbarer.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Denn der Mensch von heute liest gar nicht mehr so anders als die Maschine. Menschen nehmen sich heute keine Zeit mehr. Ich ertappe mich selbst dabei — wenn ich einen Text lese oder recherchiere, lese ich nicht, ich scanne:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;
&lt;li&gt;die Zusammenfassung oben,&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;die Headlines,&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;die Callout-Boxen,&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;was fett gesetzt ist.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;Und dann entscheide ich in ein paar Sekunden: &lt;em&gt;ist es das wert, das Ganze überhaupt zu lesen?&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Genau das, was ein Sprachmodell braucht — eine klare Struktur, eine Zusammenfassung vorne, eindeutige Begriffe — ist genau das, was der überflogene Mensch auch braucht. Die Optimierung für die Maschine und die Optimierung für den ungeduldigen Leser fallen zusammen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Maschinenlesbar heißt menschenlesbar.&lt;/strong&gt; Wer seine Inhalte für den Agenten aufräumt, räumt sie auch für den Menschen auf, der über genau diesen Agenten auf der Seite gelandet ist.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id=&quot;was-ich-daraus-mache&quot;&gt;Was ich daraus mache&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Konkret heißt das, dass ich gerade die Systeme hinterfrage, die ich bei Kunden einsetze, und noch auf der Suche nach dem richtigen bin. Auf der einen Seite stehen die großen, unflexiblen Brocken wie TYPO3, die du nur schwer agentisch befüllen lässt. Dann die Sachen dazwischen, Strapi zum Beispiel. Und die moderneren, schlankeren wie Statamic. Das ideale Werkzeug für eine Welt, in der der Agent die Pflege übernimmt, habe ich noch nicht gefunden — aber ich weiß inzwischen ziemlich genau, wonach ich suche.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und meine eigene Seite hier ist der erste Versuchsaufbau: mit llms.txt, einem Volltext-Feed und den rohen Markdown-Dateien, offen für jeden, der sie lesen will, ob Mensch oder Maschine.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die schwierige Frage bleibt die Balance. Nicht zu kurz, sonst hat der Mensch nichts davon und das Modell nichts zu greifen. Nicht zu lang, sonst springen beide ab. Und dann zu schauen, wie sich die eigene Zielgruppe wirklich auf der Seite verhält — das wird, glaube ich, wichtiger als die meisten Designentscheidungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine abschließende Antwort auf die Frage meiner Kundin habe ich immer noch nicht. Aber die Richtung steht: schreib für den Menschen, strukturier für die Maschine, und merk dir, dass das immer mehr dasselbe ist.&lt;/p&gt;</content:encoded><category>webseiten</category><category>ki</category><category>content</category></item><item><title>Klarheit ist Subtraktion</title><link>https://simeonzickert.de/blog/klarheit-ist-subtraktion/</link><guid isPermaLink="true">https://simeonzickert.de/blog/klarheit-ist-subtraktion/</guid><description>Warum mehr Information selten weiterhilft und das Weglassen fast immer.</description><pubDate>Tue, 26 May 2026 00:00:00 GMT</pubDate><content:encoded>&lt;p class=&quot;first&quot;&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wenn Menschen feststecken, ist ihr erster Reflex fast immer derselbe: mehr. Mehr Werkzeuge, mehr Kanäle, mehr Optionen, noch ein Tab, noch ein Gespräch. Das fühlt sich nach Fortschritt an, weil etwas passiert. Aber meistens wächst dabei nur der Knäuel, und der Weg nach vorn wird nicht klarer, sondern dichter.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p class=&quot;turn&quot;&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Klarheit kommt selten dadurch, dass man etwas hinzufügt. Sie kommt fast immer dadurch, dass man etwas weglässt.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Problem am Hinzufügen ist, dass es so vernünftig aussieht. Mehr Information kann ja nicht schaden, denkt man. Doch jede zusätzliche Option kostet Aufmerksamkeit, und Aufmerksamkeit ist das Einzige, was wirklich knapp ist. Irgendwann ist nicht das Wissen das Problem, sondern der Lärm um das Wissen herum.&lt;/p&gt;
&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;Die schwierigste Arbeit ist nicht, die richtige Antwort zu finden. Es ist, die Frage so weit freizuräumen, dass die Antwort offensichtlich wird.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;h2 id=&quot;und-was-bleibt-übrig&quot;&gt;Und was bleibt übrig?&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Wenn man konsequent wegnimmt, bleibt am Ende erstaunlich wenig stehen, und genau dieses Wenige trägt dann. Was mir dabei immer wieder hilft:&lt;/p&gt;
&lt;ol class=&quot;rules&quot;&gt;
  &lt;li&gt;Eine Sache zur Zeit benennen, nicht fünf gleichzeitig.&lt;/li&gt;
  &lt;li&gt;Den Satz so lange kürzen, bis nur noch das Wahre übrig ist.&lt;/li&gt;
  &lt;li&gt;Lieber eine klare Linie als zehn mögliche.&lt;/li&gt;
&lt;/ol&gt;
&lt;p&gt;Das ist weniger Methode als Haltung. Und Haltungen lassen sich schlecht in einem Beitrag verkaufen. Aber sie lassen sich zeigen, und genau dafür ist dieser Ort hier da.&lt;/p&gt;</content:encoded><category>klarheit</category><category>positionierung</category></item></channel></rss>