Geschwindigkeit ist die wichtigste Ressource eines Projekts. Liegen lassen verbraucht sie schneller als jede Schwierigkeit.
Ich hatte ein Projekt, das lag ein knappes Jahr. Eine Webseite für einen Industriekunden, eigentlich klar umrissen. Eigentlich. Dann fehlte ein Plan, dann die Positionierung, dann kam Recruiting, dann stand das ganze Corporate Design zur Debatte. Beim Kunden war man sich uneinig, bei uns wechselten die Leute. Heute weiß niemand mehr, was am Anfang abgemacht war.
Mein erster Impuls: Verteidigung. Der Kunde hält sich nicht an die Abmachung, die Kollegen machen nicht mit, der Markt ist eben kompliziert geworden. Man sucht die Gründe draußen.
Und dann wurde mir ein Video eingespielt und ich habe mich ertappt gefühlt.
Nicht die Komplexität macht ein Projekt kompliziert, sondern die Länge.
Nicht die Branche macht das Webseitenprojekt schwer, sondern das Liegenlassen und das Overthinking. Nicht die eine Mail ist schwer zu schreiben, sondern die zwei Wochen, die sie im Postfach liegt und dich jeden Morgen ansieht.
Läuft ein Projekt schnell durch, weiß noch jeder, was besprochen wurde, die Gedanken sind frisch, keiner hat Zeit die Dinge zu zerdenken. Bleibt ein Projekt liegen, kippt das Ganze: der Drive ist raus, Abmachungen zerfallen auf allen Seiten, und was die Menschen im Kopf haben, driftet von der Realität weg. Und das, obwohl ich fast jedes Gespräch aufzeichne, die Infos teile, wir einen ganzen Textkorpus zum Festhalten haben.
Geht zu viel Zeit ins Land, kommt Unsicherheit. Menschen beginnen zu hinterfragen und zerpflücken Details, und es wird zäh.
Jeder Meter kostet dann so viel Kraft wie ein ganzes Projekt, das schnell durchläuft.
Bei mir kommt noch etwas dazu.
Liegt ein Projekt lange, ist der Reiz weg, aus Motivation ist Pflicht geworden. Und ich bin ein harter Overthinker: Ist ein Tab zu lange offen in meinem Kopf, höre ich nicht auf, Themen zu bearbeiten, zu denken, und das macht es meistens nicht besser. Das Thema wird in meinem Kopf größer und schwerer, als es wirklich ist. Zu den frischen Sachen greifen, wo noch Drive drin ist, funktioniert dann auch nicht: das eine große Thema drückt runter.
Ich habe mich die letzten Monate beobachtet und kann es an der Zeit festmachen: Ein Projekt wird dann zäh, wenn 2 bis 3 Wochen kein echter Fortschritt spürbar ist. Dann ist ein Projekt nur noch unter äußerster Anstrengung einzufangen. Das gilt auch intern, beim Design, beim Konzept, beim Text. Geht nach außen nichts, kein Zwischenstand, keine kurze Rückfrage, wird es beim Gegenüber zäh.
Und wann läuft ein Projekt durch? Die Projekte, die durchlaufen, sind nicht die einfachen. Es sind die gut vorbereiteten und durchdachten. Die Projekte, in denen ich auf meinen Bauch höre und Probleme früh anspreche. Und manchmal die spontanen, die aus einem Gespräch kommen, aus dem Verbinden von Punkten. Ich sitze mit einem Kunden im Gespräch, habe eine Idee, baue schnell einen Prototyp, und ein, zwei Tage später reden wir an etwas Echtem entlang. Wir haben was zum Anfassen. Der Hauptteil ist dann da. Wir wissen, was das Ding können muss, feintunen ein bisschen, und dann geht’s ab.
Wie können Projekte nun besser laufen?
Mir ist dabei wieder was über die Füße gelaufen: Parkinsons Law: Arbeit dehnt sich genau auf die Zeit aus, die man ihr gibt.
Gib einem Text zwei Wochen, und er braucht zwei Wochen; gib ihm zwei Stunden, wird er auch fertig. Und meistens mindestens genauso gut. Also enge Fenster setzen und sich festlegen, am besten so, dass jemand davon weiß und man sich nicht rausredet.
Ein gutes Setup schlägt Disziplin. Der halbe Tag geht für die eine Frage drauf, mach ich das jetzt oder nicht. Sortiert mein Assistent mir die Aufgaben und holt das Wichtige nach oben, ist die Frage schon beantwortet, und die Kraft geht in die Arbeit statt ins Verhandeln mit mir selbst.
Mir ist ein Bild hängen geblieben. Bei einer Rakete geht fast der ganze Treibstoff in den Start. Ist sie im Orbit, braucht sie kaum noch Energie, um sich oben zu halten. Genauso ein Projekt: Der Start kostet die Kraft, im Fluss läuft es fast von allein. Bleibt es liegen, fällt es zurück auf den Boden, und den ganzen Start zahlst du nochmal.
Zwei bis drei Wochen. Mehr Stillstand verträgt ein Projekt nicht.